Acht Übungen statt Tai Chi Chuan
Meister Cheng Man Ching, der zwischen 1965-1975 in New York
unterrichtete, war auch Arzt in der Traditionellen Chinesischen Medizin
(TCM). Vielen seiner Patienten wollte er für ihre Heilung Tai Chi Übungen
„verschreiben“, aber für viele waren die Übungen des Taijiquan zu
lang, zu kompliziert oder seine Patienten waren gesundheitlich nicht
mehr in der Lage, sie zu praktizieren. So lehrte Cheng Man Ching seinen
Patienten acht einfache Übungen, die in sich die Grundprinzipien des
Taijiquan vereinigen und vor allem auch dessen gesundheitlichen
Wirkungen.
Übung 1: Gehen
auf dünnem Eis: Man geht über den Boden und stellt sich
dabei vor, der Boden wäre eine Eisschicht über einem See. Das Eis ist
an manchen Stellen so dünn, dass man einbricht, wenn man darauf tritt.
Man muss also beim Gehen den Fuß immer mit der Ferse zuerst nur
auflegen, dann den Fuß langsam weiter belasten und abrollen - immer
bereit, dass Körpergewicht wieder auf den hinteren Fuß zu verlagern,
falls das Eis unter dem vorderen Fuß einbricht. Die Arme bleiben dabei
entspannt am Körper und dürfen nicht bei der Aufrechterhaltung des
Gleichgewichts helfen. Wenn das Körpergewicht ganz auf dem vorderen Fuß
liegt, dann kommt der nächste Schritt.
Übung 2: Mit dem
Mond über dem Kopf gehen: Man steht aufrecht mit
erhobenen Kopf und stellt sich dabei vor, dass man den Mond, etwa in der
Größe eines Basketballes, auf dem Kopf hat und ihn fein balancieren
muss, damit der Mond nicht vom Kopf herunterfällt. (Man kann sich auch
vorstellen, dass der Kopf über einen Faden mit dem Mond verbunden ist
und so vom Mond leicht nach oben gezogen wird.) Die Augen müssen
geradeaus blicken, wenn sie nach unten schauen, fällt der Mond
herunter. Die Arme hängen entspannt herab. Dann geht man mit dem Mond
auf dem Kopf umher, mal schnell mal langsam. Mit "dem Mond auf dem
Kopf" sollten auch die anderen Übungen ausgeführt werden und außerhalb
der Übungen alles Gehen, Stehen, Sitzen oder das Öffnen einer schweren
Tür.
Übung 3: Rudern:
Man begibt sich in die Position des Stoßens, in der Taijiquan Figur
"Fasse den Vogel beim Schwanz",- und stellt sich dabei vor,
man steht mit einem Ruder in der Hand in einem Boot und rudert das Boot
über einen Fluß.
Übung 4: Das
Segel setzen: Man begibt sich in die Taijiquan Figur
"Schöne Dame am Webstuhl" - und stellt sich dabei vor, in
einer chinesischen Dschunke zu stehen und das Segel zu setzen, es hoch
zu stoßen.
Übung 5: Die
Wolken mit einem Besen fegen: Entspricht der Taijiquan
Figur der "Wolkenhände", nur dass man stehen bleibt, die
Beine also nicht versetzt, aber die Arme wie bekannt bewegt.
Übung 6: Am Rande
eines Abgrunds stehen: Man begibt sich in die Taijiquan
Figur "Der weiße Kranich breitet seine Flügel aus" - und man
stellt sich vor, dabei über einem Abrund zu stehen. In dieser Figur
ruht fast das gesamte Gewicht auf dem hinteren Bein. Während man in
dieser Position verharrt, stellt man sich vor, dass sich die Füße mit
dem Boden verbinden. Wenn man nicht mehr kann, dann wird die Position
seitenverkehrt eingenommen.
Übung 7: Den
Strom durchwaten: Man geht und stellt sich dabei vor,
knietief durch die Furt eines reißenden Strom zu waten - immer mit dem
Widerstand des Wasser kämpfend.
Übung 8: Den Wind
reiten: Man nimmt die Taijiquan Figur "Diagonales
Fliegen" ein, bleibt so stehen und stellt sich vor, durch die Luft
zu fliegen und zu gleiten.
Die Acht Tai Chi Übungen sind abgeleitet von Yang-Stil Taijiquan
Figuren, von Qigong Übungen und erinnern auch an Übungen zur Inneren
Kampfkunst Yiquan.




